Mach mal blau – 65rot


Andacht für den 13. Mai mit Lied Nr. 65 – diesmal aus dem „roten Gesangbuch“

Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer von den Nazis gehängt, weil er sich gegen die Diktatur und die menschenverachtenden Maßnahmen engagiert hat.
Wenn ich mir Dokumentationen aus dieser Zeit ansehe oder Bücher darüber lese, frage ich mich ganz oft: hätte ich das auch gekonnt? Mich opfern für meinen Glauben und meine Ideale? Gefoltert und gequält zu werden und trotzdem weiter für die gute Sache kämpfen können?
Es fällt mir doch heute manchmal schon schwer, auf Stammtischparolen zu reagieren und hier laut und offen meine Meinung zu sagen- meistens fallen mir die perfekten Argumente erst hinterher ein und ich ärgere mich, dass ich mich nicht deutlicher positioniert habe.
Mein Respekt und meine Achtung gilt so Menschen wie Dietrich Bonhoeffer.
Er wusste im Dezember 1944, als er das Gedicht von guten Mächten verfasst hat, genau, dass er dieses Jahr nicht überleben würde und hat dennoch einen so wunderbaren Text geschrieben, der uns heute noch Kraft und Zuversicht schenkt.

Es grüßt euch herzlich
Pfarrerin Janina Tamm
Prot. Pfarrei am Potzberg


Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten, in seinem Brief an Maria von Wedemeyer aus dem Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamts in Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, 19. Dezember 1944. Erstmals veröffentlicht 1951 in: Eberhard Bethge (Hrsg.), Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.
Quelle EKD

Dietrich Bonhoeffer, Autograph des Gedichts Von guten Mächten in seinem Brief an Maria von Wedemeyer aus dem Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamts in Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, 19. Dezember 1944, Houghton Library, Bilddatei http://www.predigten.uni-goettingen.de/archiv-8/bonhoeffer-faksimile.jpg

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Sprecherin und Gesang: Pfrin Janina Tamm
Klavier und Technik:
Doris Bertges, Janina Tamm
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