Geh aus mein Herz und suche Freud – Kantate 10. Mai 2020

Gottesdienst am 10. Mai 2020 zum Sonntag Kantate



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Wer möchte, kann zu Beginn eine Kerze anzünden

Liebe Leserin, lieber Leser,
das ist einer meiner Lieblingssonntage:
„Kantate“, „Singt“. Ein Gottesdienst, in dem wir viel gesungen und geschunkelt hätten. Heute muss jede/r für sich singen und die Worte aus Ps 98 alleine sprechen:

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König! Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen seien fröhlich vor dem HERRN.

Wir beten: Gott, ich bin hier/ wir sind hier, allein und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden. Schenke mir ein fröhliches Lied auf meinen Lippen und eine leichte Melodie im Ohr. Amen.

Predigt: Lied: Geh aus, mein Herz, und suche Freud (EG 503)

1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud/ in dieser lieben Sommerzeit/ an deines Gottes Gaben;/ schau an der schönen Gärten Zier/ und siehe, wie sie mir und dir/ sich ausgeschmücket haben.

2) Die Bäume stehen voller Laub,/ das Erdreich decket seinen Staub/ mit einem grünen Kleide;/ Narzissus und die Tulipan,/ die ziehen sich viel schöner an/ als Salomonis Seide.

8) Ich selber kann und mag nicht ruhn,/ des großen Gottes großes Tun/ erweckt mir alle Sinnen;/ ich singe mit, wenn alles singt,/ und lasse, was dem Höchsten klingt,/ aus meinem Herzen rinnen.

Liebe Leserin, lieber Leser,
zu „Kantate“ gehört für mich einfach eine Predigt über ein Lied und heute muss es eins sein mit einer bekannten Melodie, damit du mitsummen und mitsingen kannst. Paul Gerhardt (1607-1676) hat 1653 diesen wunderschönen frühlingshaft- sommergleichen Liedtext geschrieben- es ist übrigens das längste Lied im Gesangbuch mit 15 Strophen. Paul Gerhardt war Pfarrer, er hatte ein bewegtes und schweres Leben. Er hat den 30jährigen Krieg hautnah mitbekommen und viel Leid, Not und Elend gesehen. Aber auch privat hatte er es nicht leicht, so sind etwa von seinen 5 Kindern 3 in schon sehr jungen Jahren gestorben, nach nur 13 Ehejahren auch seine Frau, und er hat sehr darunter gelitten.

Doch das hört man diesem Lied nicht an: Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Schau genau hin, nimm wahr, was dich an Schönem umgibt, was Gott alles geschaffen hat, wie perfekt da eins ins andere passt. Viele von uns hatten dieses Jahr wesentlich mehr Zeit und Muße für den Garten, haben liebevoll passende Blumen und Sträucher ausgesucht, Insektenhotels gebaut und darauf geachtet, dass auch die Bienen genug Nahrung finden.
Balkone, Terrassen und Gärten sind herausgeputzt und hübsch gemacht, wir können uns an der Schönheit der Natur erfreuen. Endlich hat es auch wieder ein bisschen geregnet, das hat allen Pflanzen gut getan. Trotzdem war der April viel zu trocken, die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher spürbar. Wegen Corona tritt dieses Thema gerade in den Hintergrund, aber es ist eine bleibende und wichtige Aufgabe, den Planeten vor weiteren Schäden zu bewahren und zu schützen, damit noch viele Generationen nach uns hier gut leben können.

Eine kleine Aufgabe für alle, die möchten: Das frische Laub, das saftige Grün des Rasens, die vielen bunten Blumen. Hast du dir schon mal die ganze Farbenvielfalt angeschaut? Nimm dir heute oder nächste Woche die Zeit, in deinem Garten oder bei einem Spaziergang mindestens 10 verschiedene Grüntöne zu sammeln. Helle, dunkle, matte, glänzende. Das können Blätter sein, Gras, alles mögliche. Du wirst staunen, wie schnell du 10 unterschiedliche Grüntöne finden wirst, denn es gibt unzählige Nuancen davon. Wer will, darf von seiner Sammlung gerne ein Foto machen und mir schicken, ich würde mich freuen. Grün deshalb, weil es die Farbe der Hoffnung und des Lebens ist.

Die Natur ist so wunderschön, so herrlich und gelungen, wir nehmen sie leider nur zu oft als gegeben und selbstverständlich hin, dabei müssten wir vor Staunen immer wieder ehrfürchtig werden. Paul Gerhardt lädt uns ein, genau hinzuschauen, unsere Ohren weit aufzumachen, zu tasten und zu erfühlen, zu riechen, all die vielen herrlichen Düfte und zu schmecken, wie gut es Gott mit uns meint. Trotz allem Traurigen und Schwierigen um uns herum.

Gerhardt will, dass wir die Schöpfung mit all unseren Sinnen wahrnehmen, in uns aufnehmen und sagt, dass er angesichts dieser großen Werke um ihn eigentlich nur singen und fröhlich sein kann. Was jemandem wie ihm eben sicher nicht leichtgefallen ist, bei dem Leid und Elend, das er alles erfahren und erlebt hat. Umso bewundernswerter ist seine Einstellung zum Leben, die wir uns zum Vorbild nehmen können. Auf das Kleine zu achten, sich zu erfreuen an Blumen und Pflanzen und den vielen Tieren und Insekten um uns herum, den unzähligen Grüntönen voller Hoffnung und Kraft.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Fürbitten:
Gott, du hast jedem von uns seine eigene Lebensmelodie geschenkt, sein ganz individuelles Lied. Du bist der Komponist unseres Lebens, der Natur, der ganzen Schöpfung.
Lehre uns, unser Leben zu singen als Loblied für dich, dass wir deine Melodie nicht überhören und sie nicht vergessen, dass sie wie ein Ohrwurm in uns klingt und uns jeden Tag ermuntert zu guten Taten und einem vor dir gerechten Leben.
Hilf uns immer wieder neu, deine Noten und deine Handschrift zu erkennen, in all dem Schönen und Blühenden und Lebendigen um uns herum, auch wenn unser Leben aus dem Takt gerät und wir die Dissonanzen und Missklänge aushalten müssen.
Lass neue Klänge und Melodien die Herzen der Menschen umstimmen. Schicke unverhoffte Harmonien allen, die im Misston der Angst und ihrer Sorgen gefangen sind und lass auch sie das Lied deiner Liebe mitsingen.
Nimm unser Lied an und höre uns, wenn wir jetzt beten, wie dein Sohn Jesus Christus es uns zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel…

Segen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und er gebe dir Frieden. Amen.

Die Kerze kann nun ausgepustet werden

Kurze Info aus dem Pfarramt

  • Pfrin Tamm hat für jeden Tag der Woche 3minütige Liedandachten gesungen und gesprochen, zu finden auf der Homepage:
    www.pfarrei-am-potzberg.de unter „Made my day“, Stichwort „Mach mal blau“.
  • Die Glocken läuten jeden Sonntag von 10 bis 10:05 Uhr und täglich um 19:30 Uhr zum pfalzweiten ökumenischen Gebet.
  • Sie dürfen sich gerne im Pfarramt melden, wenn Sie mal mit jemandem sprechen möchten oder Hilfe brauchen!
  • Im Mai finden noch keine Gottesdienste statt! Wie es im Juni weitergeht, ist noch lange nicht absehbar, die Auflagen sind massiv und nur sehr schwer umzusetzen. Mehr Infos dazu in einem kleinen Gemeindebrief, der etwa Mitte/Ende Mai erscheinen wird.
  • Andacht auf dem Anrufbeantworter, täglich neu: 06322-988 35 01 UND unter 06359-95 352 92.
  • Seelsorge-Hotline des Dekanats Kusel, täglich von 8-12 und 16-22 Uhr: 06381-99 69 919.

Gott behüte Sie, bleiben Sie gesund!

Bildquelle: Neunkirchener Posaunenchor im Grünen anno 2003