Mit Himmel und Erde verbunden – Rogate 17. Mai 2020

Gottesdienst am 17. Mai 2020 zum Sonntag Rogate


Dieser Gottesdienst mit und von Pfarrerin Tamm wurde von „kusel.tv“ aufgezeichnet und ist als Video zu finden auf der Homepage von Kusel TV www.kusel.tv (https://kuseltv.chayns.net/Ticker?M=112802699) und auf Facebook https://www.facebook.com/kusel.tv/videos/272151690838160/

Die Predigt zum Anhören:

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… und hier das „Vater-unser-Lied“, kennt jeder, der bei den Gottesdiensten im Grünen auf dem Potzberg an Christi Himmelfahrt dabei war – dort allerdings vom Neunkirchener Posaunenchor dargeboten, hier als Orgel-Duett:

Wer möchte, kann zu Beginn eine Kerze anzünden

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Rogate“ heißt: „Betet“ und um ein besonderes Gebet geht es heute im Predigttext, nämlich ums Vaterunser.

Wir beten: Gott, ich bin hier/ wir sind hier, allein und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden. Wir können dir alles sagen, was uns auf dem Herzen liegt, du hörst uns zu. Es tut gut zu wissen, dass du Tag und Nacht da bist, immer ein offenes Ohr für uns hast. Dafür danken wir. Amen

Predigt über Mt 6, 5-13 (hier gekürzt):

„Christus spricht: „So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Liebe Leserin, lieber Leser,
ich mag schöne Geschichten zum Nachdenken wie diese hier:

„Einmal führte Gott mich hinaus auf eine Kerwe. Dort zeigte er mir einen kleinen Jungen, der mit leuchtenden Augen voller Erwartung vor dem Luftballonverkäufer stand. Gott sagte mir: „Wenn du beten willst, dann sollst du das so machen: mit der ganzen Hoffnung dieses Kindes, mit seinem Staunen im Gesicht! Deine Gebete sollen sein wie die vielen bunten Ballons. Fülle die leere Hülle mit deinen Sorgen und mach den Knoten fest zu. Sieh dann die Schnur an seinem Knoten: Sie ist das Zeichen für die Verbindung deiner Gebete zwischen Himmel und Erde! An ihr Ende kannst du eine Postkarte hängen mit Raum für deine persönlichen Worte. Und dann: lass los. Sieh dir an, wie der Ballon in den Himmel steigt. Alles wird leichter. Lass mir, deinem himmlischen Vater, die Freiheit des Windes, deinen Ballon, deine Gebete fliegen zu lassen, wohin ich will, wie ich es für richtig halte. Aber bei einem kannst du dir sicher sein: Deine Gebete kommen bei mir an, der Ballon wird nicht ungesehen platzen.“

Ich mag diesen Vergleich sehr- ein Gebet wie ein Luftballon. Oft ist doch um uns herum und in uns ganz viel dicke Luft, z.B. wenn wir uns mit unseren Kindern, Partnern, Eltern streiten. Diese Luft muss irgendwo hin, denn wenn sie sich in uns immer weiter anstaut, tut uns das nicht gut. Gott bietet uns mit dem Gebet ein Ventil an, damit können wir Dampf ablassen. Wir können mit der ganzen dicken Luft, die sich in uns angesammelt hat, den Luftballon füllen. Dann müssen wir ihn ganz schnell zumachen, damit ja auch alles drin bleibt.

An dem Ballon hängt eine Schnur. Sie steht für die Verbindung zwischen Himmel und Erde, ist quasi unsere direkte Verknüpfung zu Gott selbst. Jeder von uns hat seine eigene, ganz persönliche Leitung zu Gott. Bei dem einen ist sie ein dickes und robustes Seil, das keiner mal einfach so durchtrennen könnte. Dieser Mensch hat eine ganz enge Bindung zu Gott, einen tiefen festen Glauben. Bei einem anderen ist die Schnur hauchdünn und zerbrechlich, hält scheinbar nicht mehr viel aus, bevor sie reißt. Dieser Mensch zweifelt, ist sich unsicher, hat so seine Kämpfe mit seinem Glauben. Für uns sieht das so aus, als hätte Gott mit dem gläubigen Christen eine bessere Verbindung als mit dem, dessen Glaube zerrüttet ist. Aber so ist das nicht.

Gott hat uns in der Taufe versprochen, dass er immer in Kontakt mit uns bleiben wird, egal, wo wir in unserem Leben stehen, ob wir uns ihm zuwenden oder gerade vom Weg abgekommen sind. Er lässt es nicht zu, dass die Schnur reißen wird, dass keine Verbindung mehr besteht. Gott bleibt in der Leitung, auch wenn wir aufgelegt haben. Er wartet dann geduldig darauf, dass wir den Faden wiederfinden, der uns mit ihm immer verbunden hat, auch da, wo wir es nicht gesehen haben.

An dieses Seil können wir eine Postkarte hängen, auf der Platz für alles ist, was uns wichtig ist. Ein Wunsch, ein Dank, aber auch Kritik und Zweifel. Gott kennt unser Herz, er weiß, was unsere Hoffnungen und Träume, unsere Ängste sind. Darum bräuchten wir auf die Karte also eigentlich gar nichts schreiben- aber es tut uns einfach gut, das loszuwerden, unsere Gefühle in konkrete Worte zu fassen.
Aber es gibt Situationen, in denen uns das Beten schwer fällt, uns die Worte fehlen. Z.B. wenn Eltern ihr Kind durch einen schrecklichen Unfall genommen wird, eine Freundin im Sterben liegt, eine schlimme Diagnose alle Hoffnungen und Träume zerstört. Dann wissen wir oft nicht, was wir sagen sollen. In diesen Situationen bin ich so dankbar, dass Jesus uns ein wunderbares Gebet beigebracht hat: Das Vaterunser.

Er macht hier klar, dass Gottes Wille geschieht, den wir nicht immer nachvollziehen können, wir aber hoffen dürfen auf Gottes väterliche Gnade, auf seine mütterliche Liebe, dass er uns zumindest nicht allein lässt. Jesus hat uns versprochen, dass Gott uns immer zuhören wird, dass die Leitung zu ihm jederzeit steht. Wir können also alles auf die Karte am Luftballon schreiben. Und dann? Gott sagt: „Lass los, gib den Ballon frei, lass ihn ziehen. Gib deinem Gebet Zeit zu fliegen, mit der ganzen Hoffnung und der Erwartungshaltung eines kleinen Kindes!“

Manchmal haben wir das Gefühl, Gott hätte den Ballon nicht bekommen, die Karte nicht gelesen, aber so ist das nicht. Er bekommt jeden Tag unzählige Luftballons geschickt, Milliarden an Gebeten, aber er vergisst keins davon, jeder noch so winzige Ballon, jedes noch so kurze Gebet ist ihm wichtig. Er hört uns, er hört zu, dir und mir und er ist gespannt, was so alles auf unserer Karte steht.

Fürbitten:
Unser himmlischer Vater, wir dürfen zu dir sprechen,
uns an dich wenden mit all der dicken Luft, die um uns und in uns ist, mit allem Kummer, du sagst: Rogate! Betet! Ich höre zu. Lass uns dieses Angebot nicht vergessen und schenke uns damit neue Kraft und neue Energie, denn es tut gut zu wissen, dass wir unsere Last mit dir teilen können. Gib uns die nötige Geduld und Ausdauer, zu warten, bis wir eine Antwort bekommen. Du weißt, dass uns das besonders schwer fällt und wir uns allein gelassen fühlen, wenn erstmal keine Reaktion kommt. Sei bei allen Kranken und Verzweifelten, bei den Erschöpften und Kraftlosen, die das Warten besonders belastet. Lass Zeichen der Liebe und der Hoffnung sichtbar werden, selbst dort, wo es hoffnungslos zu sein scheint. Amen.

Höre uns, wenn wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hat: Vater unser

Segen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und er gebe dir Frieden. Amen.

Die Kerze kann nun ausgepustet werden

Kurze Info aus dem Pfarramt

  • Die Glocken läuten jeden Sonntag von 10-10.05 Uhr und täglich um 19.30 Uhr zum pfalzweiten ökumenischen Gebet.
  • Sie dürfen sich gerne im Pfarramt melden, wenn Sie mal mit jemandem sprechen möchten oder Hilfe brauchen!
  • Am 5. Juli werden wir einen Gottesdienst im Grünen feiern, die Auflagen in den Kirchen sind für uns aktuell nicht umsetzbar. Nähere Infos folgen.
  • Pfrin Tamm hat 3minütige Liedandachten gemacht, zu finden auf der Homepage: www.pfarrei-am-potzberg.de unter „Made my day“.
  • Andacht auf dem Anrufbeantworter, täglich neu, unter einer NEUEN NUMMER: 06359-95 352 92.
  • Seelsorge-Hotline des Dekanats Kusel, täglich von 8-12 und 16-22 Uhr: 06381-99 69 919.

Gott behüte Sie, bleiben Sie gesund!

Bildquelle: https://gemeindebrief.evangelisch.de/?20794761948172293310 Foto Wodicka